Experiment: Mobiles Internet mit LTE als DSL-Ersatz

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Mobiles Internet als DSL-Ersatz? Funktioniert der Ansatz? Das hat mich interessiert.

Mobiles Internet hat sich die letzten Jahre massiv weiter entwickelt und es werden danke LTE und 5G auch Geschwindigkeiten erreicht, welche bisher DSL-Leitungen vorbehalten waren. Lediglich die Tarife waren bisher nicht tauglich für einen DSL-Ersatz, da sich die Provider das Datenvolumen in Gold bezahlen ließen.

Dieses Problem ist inzwischen gelöst, seit ein paar Jahren bieten die Provider nun auch unlimitierte Tarife mit unbegrenzten Datenvolumen an. Anfangs recht teuer, kommen diese nun in Bereiche, in denen auch ein DSL-Anschluss liegt. Wahlweise mit flexibler kurzer Laufzeit und im Gegensatz zum heimischen DSL-Anschluss lässt sich der Tarif überall nutzen.

Wie gut Mobilfunk als DSL-Ersatz funktioniert, das wollte ich im Rahmen eines kleinen Experiments ausprobieren.

Meine Internetnutzung

Ob ein Mobilfunkanschluss als DSL-Ersatz herhalten kann, hängt natürlich sehr von dem eigenen Nutzungsverhalten ab. Wer nur wenig im Internet surft und ggf. etwas Homebanking macht, kommt mit einem kleinen Mobilfunktarif gut über die Runden und die Geschwindigkeit spielt am Ende nicht die große Rolle.

Bei mir ist es anders, viele große Downloads, Uploads von Videos zu YouTube, dazu Podcasts, Video- und Audio-Streaming. Ich brauche eine schnelle Verbindung, mit entsprechend gutem Upload.

Meine heimische DSL-Verbindung bietet 100 Mbit/s im Download und 40 Mbit/s im Upload. Das passt derzeit perfekt. Eine mobile Verbindung sollte zumindest etwa die Hälfte von dem erreichen.

Der Tarif

Für meinen Test fiel die Wahl auf den O2-Tarif „my Prepaid Max“, ein Prepaidtarif mit 999 GB Datenvolumen und anschließend mäßiger Drosselung auf 50Mbit/s. 999 GB werte ich als Unlimited, da ich auch mit dem DSL-Anschluss nicht auf dieses Datenvolumen komme. Der Tarif kostet 69,99 Euro alle vier Wochen. Nicht die günstigste Variante, aber ohne Vertragslaufzeit und ohne den Tarif kündigen zu müssen. Perfekt für den Test.

Die passende Hardware

Die nächste Frage ist die passende Hardware für die Verbindung zum Internet. Mein Notebook hat ein eingebautes LTE-Modem, allerdings kann dann nur das Notebook die Internetverbindung nutzen, sofern ich keinen weiteren Hotspot einrichte.

Meine Wahl fiel daher auf mein Zweit-Smartphone. SIM-Karte eingelegt, Hotspot aufgemacht und schon können sich alle Geräte verbinden. Ein paar Nachteile hat diese Lösung. Das Handy muss stets geladen sein und die Möglichkeiten des Hotspots sind gegenüber einem richtigen Router eingeschränkt. So besteht die Wahl nur zwischen 2,4 Ghz und 5 Ghz WLAN. Eine parallele Nutzung ist nicht möglich.

Eine Alternative wäre hier die Nutzung eines stationären Routers, z.B. günstig als Router Feiertage-Deals. Es gibt passende mobile LTE-Router, auch ein Anschluss des Telefons an einen Heimnetzrouter ist oft möglich.

Allerdings muss man bei einem stationären Router aufpassen, einige Anbieter untersagen die stationäre Nutzung und machen dann von ihrem Sonderkündigungsrecht gebrauch, Stichwort „Freenet Funk“.

In der Praxis

Nun die große Frage, wie gut oder schlecht es in der Praxis funktioniert. Ich war skeptisch, da O2 in den vergangenen Jahren auch nicht den besten Ruf hatte. Die Bedenken wurden aber schnell zerstreut, an meinen Teststandorten daheim und unterwegs hatte ich durchweg sehr gute Geschwindigkeitswerte. Werte von 50 Mbit/s bis über 100 Mbit/s im Download und zwischen 10 Mbit/s und 40 Mbit/s im Upload.

Damit funktioniert im Prinzip alles, Surfen, Downloads, YouTube-Uploads, Video-Streaming. Lediglich beim Online-Zocken merkt man leicht höhere Latenzen, was aber für den Gelegenheitszocker noch verschmerzbar ist. Alles klappt, auch perfekt von unterwegs. Über die Feiertage hatte ich die Gelegenheit, die Verbindung unterwegs im Zug oder bei den Großeltern zu nutzen.

Auch VPN für das Home-Office lässt sich darüber problemlos nutzen, inklusive Videokonferenz. Das Smartphone kommt mit mehreren Endgeräten ohne Probleme klar. Lediglich die Reichweite des Hotspots könnte größer sein. Hier kommt ein Heim-Router weiter.

Fazit

Experiment geglückt. Im Prinzip kann eine DSL-Verbindung inzwischen durch Mobilfunk ersetzt werden, sofern die Empfangslage passt. Die Tarife sind zwar derzeit immer noch teurer als ein stationäre Festnetz- und DSL-Anschluss, dafür kann man den Tarif flexibler nutzen und benötigt keine Verkabelung und Vorort-Installation. Gerade Leute, welche unterwegs sind, können den Anschluss überall nutzen, sofern niemand daheim den Internetanschluss benötigt.

In letzterem Fall sollte man einen Tarif auswählen, welcher sich auch in stationären Routern nutzen lässt, diese sind deutlich leistungsfähiger als der Handy-Hotspot und erlauben deutlich mehr Konfigurationsmöglichkeiten.

Ein großer Nachteil soll nicht unerwähnt bleiben. Wer einen Server daheim betreiben will, für den funktioniert dies über Mobilfunk nicht. Die Provider nutzen NAT (Network Address Translation) und man erhält keine aus dem Internet erreichbare IP-Adresse.

Insgesamt lässt sich jedoch festhalten, dass Mobilfunk inzwischen auch als DSL-Ersatz genutzt werden kann. Für den ersten Test empfiehlt es sich jedoch zuerst mit einem Prepaidtarif zu testen, wie es mit dem Empfang und der Geschwindigkeit aussieht.

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