Die Vorteile von KI im Umgang mit der wachsenden Komplexität moderner Softwareentwicklung.
Als ich vor 26 Jahren angefangen habe, beruflich Software zu entwickeln, war die Welt vergleichsweise einfach. Vieles wurde mit Borland Delphi umgesetzt. Damit ließ sich im Grunde alles erschlagen. Auf meinem Schreibtisch lag ein dickes Delphi-Buch und das war mehr oder weniger die komplette Wissensbasis.
Man entwickelte für Windows, und das Design ergab sich quasi automatisch, weil unter der Haube direkt die Windows-API werkelte. Keine großen Überraschungen, keine Design-Diskussionen, keine „wir brauchen noch ein Framework dafür“.
Ich konnte damals mit gutem Gewissen sagen: Ich beherrsche die Sprache und kann einfach loslegen und coden. Ohne ständiges Nachschlagen, ohne fünf Tabs mit Dokumentation offen zu haben.
Softwareentwicklung 2026
Heute sieht das Ganze… etwas umfangreicher aus.
Im Backend läuft Java. Natürlich nicht einfach nur Java, sondern inklusive Maven, XML-Konfigurationen, Annotationen und Frameworks wie Spring Boot. Dinge, die einem Arbeit abnehmen, nachdem man verstanden hat, wie sie einem Arbeit abnehmen.
Im Frontend geht es ähnlich weiter: NPM, TypeScript, React und eine Auswahl an Bibliotheken, die sich regelmäßig selbst überholen. Dazu kommt der Anspruch, dass alles bitte auch noch gut aussieht. HTML und CSS sind also nicht optional, sondern Pflichtprogramm.
Und dann ist da noch das „Drumherum“, das gefühlt inzwischen mehr Raum einnimmt als die eigentliche Anwendung: Unit-Tests, Integrationstests mit Tools wie dem Robot Framework, Build-Server, Pipelines und diverse Skripte.
Projektwechsel? Natürlich. Heute Java, morgen C#, übermorgen eine Legacy-Anwendung, bei der man sich fragt, ob sie eher ein Softwareprojekt oder ein archäologischer Fund ist.
Offiziell gibt es für all das spezialisierte Rollen.
In kleinen Teams lautet die Realität eher: „Du kennst dich doch aus, oder?“
Das Ergebnis: Ein Großteil der Zeit geht dafür drauf, Dokumentation zu lesen, Codebeispiele zu suchen und sich Dinge zusammen zu puzzeln, die gestern noch jemand anders schon einmal gelöst hat.
Und jetzt kommt KI
Und plötzlich wird es wieder überschaubarer.
KI hilft mir dabei, diese Komplexität besser in den Griff zu bekommen und mich wieder stärker auf das Wesentliche zu konzentrieren. Ein Frontend lässt sich in kurzer Zeit erzeugen, passendes CSS gleich mitgeliefert. Ich schaue anschließend drüber, korrigiere, passe an.
Ja, die KI macht Fehler. Manchmal sogar ziemlich kreative.
Aber sie nimmt mir die Fleißarbeit ab und genau da lag zuletzt das Problem.
Für kleine Experimente kann ich mir gezielt Code generieren lassen, ohne gleich ein komplettes Framework ins Projekt zu ziehen, nur weil irgendwo ein Button hübsch aussehen soll.
Die KI ist dabei so etwas wie ein Sparringspartner: Sie antwortet sofort, bleibt geduldig und verzichtet darauf, mich darauf hinzuweisen, dass meine Frage bereits vor acht Jahren in irgendeinem Forum gestellt wurde, inklusive Diskussion darüber, warum ich gefälligst die Suche hätte benutzen sollen. Oder warum ich das überhaupt so machen will.
Fazit
Wohin die Reise geht? Werden Softwareentwickler irgendwann komplett ersetzt?
Meine aktuelle Einschätzung: eher nicht.
Was sich aber sehr wohl verändert: die Art, wie wir arbeiten. KI macht mich deutlich produktiver. Nicht, weil sie alles besser kann, sondern weil sie mir den ganzen Ballast abnimmt, der sich über die Jahre angesammelt hat.
Am Ende fühlt es sich ein bisschen so an wie früher: mehr Fokus auf die eigentliche Problemlösung, weniger Zeit für das „Wie bringe ich meine Toolchain heute dazu, überhaupt zu starten“.
Perfekt ist die KI nicht. Fehler gehören weiterhin dazu, und Code muss geprüft, verstanden und oft auch nachbearbeitet werden. Funktionieren allein reicht nicht. Wartbarkeit und Struktur bleiben entscheidend.
Aber eines hat sich geändert:
Ich verbringe wieder mehr Zeit damit, Software zu entwickeln und weniger damit, herauszufinden, wie ich überhaupt anfangen kann.
