Retro: CDs brennen, Finger weg vom Computer!

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Nervenkitzel pur: Wenn ich in den 90ern eine CD gebrannt habe, gab es für mich keine Entspannung. Ein falscher Klick, ein Wackler am Tisch, und mein mühsam erspartes Geld war beim Teufel.

Das genaue Jahr habe ich nicht mehr im Kopf, aber es muss irgendwann Mitte bis Ende der 90er gewesen sein, als ich mir meinen ersten CD-Brenner kaufte. 400 DM blätterte ich für diesen Luxus damals hin, ein 2-fach-Brenner von Mitsumi. 400 Mark waren für mich damals eine echte Stange Geld. Überhaupt war Hardware in dieser Ära ein teures Vergnügen; auch mein PC schlug 1994 mit satten 3500 DM zu Buche.

Meine Eintrittskarte zur „Sicherheitskopie“

Der Brenner eröffnete mir völlig neue Welten, primär natürlich, um Kopien von Computerspielen zu erstellen. Hand aufs Herz: Das war für mich der Hauptgrund für die Anschaffung. Wollte ich Command & Conquer: Red Alert im Netzwerk zocken, brauchte ich für jeden Rechner eine CD. Das Original für jeden Mitspieler zu kaufen, konnte ich mir schlicht nicht leisten, und „mal eben online bestellen“ war damals noch Zukunftsmusik.

Rohlinge waren für mich Goldstaub

Ein CD-Rohling kostete mich etwa 2,50 DM pro Stück, was damals alles andere als billig war. Umso wichtiger war es mir, keinen einzigen Versuch zu vergeuden, doch genau das passierte ständig. Mein persönliches Unwort der Stunde hieß Buffer-Underrun. Der Datenstrom durfte unter keinen Umständen abreißen. Passierte es doch, brach mein Brennprogramm gnadenlos ab und der Rohling war für mich nur noch als glitzernder Untersetzer für meine Cola-Dose zu gebrauchen.

Ich durfte kaum atmen!

Mein Computer war damals alles andere als ein Multitasking-Monster. Er war mit dem Brennvorgang so ausgelastet, dass jede kleinste Nebenbeschäftigung das System ins Wanken bringen konnte. Daher galt für mich die goldene Regel: Finger weg vom Computer! Da ich meist direkt von CD zu CD kopierte (meine interne Festplatte hatte oft gar nicht genug Platz, um ein komplettes Image von 650 MB zwischenzuspeichern), wurde jeder Lesefehler oder kleinste Aussetzer meines CD-Laufwerks für mich zum Desaster.

So saß ich also gebannt und fast schon andächtig vor meinem Monitor, starrte auf den Fortschrittsbalken und hielt die Luft an, bis endlich die erlösende Meldung erschien: „Brennvorgang erfolgreich abgeschlossen“. Es war jedes Mal ein kleiner Sieg meiner Nerven über die Technik.

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